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  • Safer Sex 3.0: Safer Sex geht auch anders

    Safer Sex 3.0: Safer Sex geht auch anders

    Früher lautete die Faustregel: Sex nur mit Gummi! Mittlerweile gibt es weitere Optionen zum Schutz vor HIV. Wir haben uns umgehört, wie Safer Sex heute praktiziert wird

    Kondome: bewährt und weit verbreitet

    Sex gilt bekanntermaßen als die schönste Nebensache der Welt. Und dass dabei HIV übertragen werden kann, muss niemandem den Spaß verderben. Schließlich gibt es heute eine ganze Reihe von Möglichkeiten, sich zu wappnen. Das gute alte Kondom ist dabei immer noch die bewährteste und am weitesten verbreitete Methode.

    „Ohne Gummi – darauf hab ich keinen Bock“

    Kathrin hat ihren persönlichen Vorrat immer griffbereit: „Die kleine Box unter meinem Bett finde ich auch im Dunkeln und in fast jeder Körperposition“, verrät die 28-Jährige und lacht verschämt. Und auch in ihrem Rucksack sowie in der Handtasche hat sie jeweils zwei gut verpackte Kondome verstaut. „Für alle Fälle. Man kann ja nie wissen, wer einem begegnet“, sagt sie und grinst verwegen. „Ich will mich einfach nicht darauf verlassen müssen, dass mein One-Night-Stand, dem ich vielleicht im Club begegne, mit Gummis ausgerüstet ist. Und ganz ohne – darauf hab’ ich keinen Bock.“

    Die Angst vor einer HIV-Übertragung spielt für Kathrin dabei nur eine untergeordnete Rolle. „Auch auf einen Tripper kann ich gut und gerne verzichten.“

    Entspannteres Sexleben dank PrEP

    Auch für Matthias* war Sex mit Kondom eigentlich immer eine Selbstverständlichkeit. Und doch ist es ihm schon passiert, dass das Gummi ungeplant weggelassen wurde – zum Beispiel in der schwulen Sauna. „Mit einem Mal ist beim Sex der Kopf ausgeschaltet und nur noch der Schwanz bestimmt, was passiert. Hinterher bereue ich es, und ich werde leicht panisch: Was, wenn jetzt tatsächlich etwas schiefgegangen ist?“

    Um solche Situationen zu vermeiden, nimmt Matthias seit einiger Zeit Pillen zum Schutz vor HIV, die sogenannte PrEP. Die regelmäßige Einnahme des HIV-Medikaments verhindert bei HIV-Negativen, dass sich das Virus in den Körperzellen vermehren kann – und schützt so vor einer Infektion.

    Sein Sexleben ist mit PrEP deutlich entspannter. Und trotzdem hat das Kondom für ihn nicht ausgedient.

    Für Matthias hat sich durch diese Schutzmethode das Sexleben deutlich entspannt. Das klassische Präservativ hat für ihn deshalb aber noch lange nicht ausgedient. „Das Kondom ist für mich ein Must-have, die PrEP hingegen ein Nice-to-have: ein guter Weg, um sich zu schützen, wenn keine Kondome benutzt werden.“ Er findet es deshalb wichtig, sich gut über diese Schutzmethode zu informieren – und sich bei einer PrEP unbedingt ärztlich begleiten zu lassen.

    Doppelt abgesichert, dank PrEP und „Schutz durch Therapie“

    Für Jutta* bot die PrEP eine Möglichkeit, um mit ihrem HIV-positiven Partner Gerd kondomlosen Sex zu haben – und gleich doppelt abgesichert zu sein. Denn ihr Lebensgefährte nimmt seit längerer Zeit Medikamente gegen HIV. Dadurch ist die Menge der Viren in seinem Blut so gering, dass HIV bei ihm nicht mehr nachweisbar ist: HIV kann deshalb sexuell nicht übertragen werden.

    „Mir war es sehr wichtig, meinen Mann so intensiv spüren zu können, wie man sich das idealerweise wünscht. Das Gummi erinnert einen eben auch daran, dass da eine Gefahr besteht – und sei dieser Gedanke noch so irrational. Ich wusste ja, dass Gerd gar nicht mehr infektiös ist, aber in Gefühlsdingen ist der Verstand manchmal einfach unterlegen.“

    Schutz durch Therapie funktioniert

    Dieses „Bauchgefühl“, das Jutta trotz besseren Wissens daran hinderte, sich ganz fallen lassen zu können, hatte Jeff in seiner Beziehung mit einem HIV-positiven Mann anfangs auch. Doch er informierte sich intensiv über die Nichtinfektiosität bei Menschen mit HIV, die erfolgreich behandelt werden, und war schnell von der Schutzwirkung der HIV-Therapie überzeugt.

    „Skeptisch waren vielmehr Freunde, denen wir davon erzählt haben. Denen mussten wir das erst erklären.“

    „‚Schutz durch Therapie‘ setzt tiefes Vertrauen voraus“

    Als Stefan vor sieben Jahren von seiner HIV-Infektion erfuhr, musste er diese Nachricht zwar erst einmal verarbeiten, er ist aber deshalb keineswegs in eine Schockstarre verfallen. „Mir war klar, dass ich recht zügig mit der HIV-Therapie beginnen will. Auch, damit ich mit meinem Freund Sex ohne Kondom haben kann, nachdem die Viruslast unter die Nachweisgrenze gefallen ist“, erzählt der 45-Jährige. „In allen drei Beziehungen, die ich seitdem hatte, habe ich mit meinen Partnern ohne Kondom geschlafen. Und alle drei sind auch heute noch negativ.“ Für ihn der beste Beweis dafür, dass „Schutz durch Therapie“ funktioniert.

    Safer Sex je nach Situation

    Jeff ist inzwischen wieder Single. Safer Sex handhabt er nun ganz unterschiedlich, je nach Situation. Sex ohne Gummi ist für ihn nur mit HIV-positiven Männern denkbar, die wie sein Ex-Partner unter der Nachweisgrenze sind. „Das setzt voraus, dass man sich sehr gut kennt und ein tiefes Vertrauen besteht“, erklärt Jeff. „Bei One-Night-Stands könnte ich mir nie sicher sein, und deshalb passiert es da auch weiterhin nur mit Kondom.“

    Für ihn ist das aber kein großes Problem, eine PrEP ist daher für ihn derzeit kein dringlicher Wunsch. „Aber wer weiß, wie ich in ein paar Monaten darüber denke.“ Allein die Option zu haben, ist für ihn eine Bereicherung. Denn letztlich, sagt Jeff, müsse die HIV-negative Person entscheiden, wie sie sich diesen Status erhalten möchte –ob durch eine PrEP, durch „Schutz durch Therapie“, das Kondom oder eine Kombination: „Safer Sex sind alle diese Wege“, sagt er.

    Safer Sex 3.0: Kondom, PrEP und Schutz durch Therapie schützen vor HIV
    Safer Sex 3.0: Die drei wirksamen Methoden zum Schutz vor HIV

    Mehr Infos gibt’s auf der Website www.iwwit.de

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  • PrEP-Start: Von Null auf Hundert in drei Wochen!

    PrEP-Start: Von Null auf Hundert in drei Wochen!

    Der PrEP-Start unter der Lupe: Was gehört dazu? Und wie lange dauert das?

    Du hast Dich entschieden die PrEP zu nehmen? Und am liebsten würdest Du jetzt sofort damit beginnen? Nun ja, eine PrEP bekommst Du nicht einfach an jeder Ecke. Was genau alles zum PrEP-Start dazu gehört und vor allem, wie lange es von der Entscheidung für die PrEP bis zur ersten Tabletteneinnahme dauern kann – dazu haben wir uns unter Prepstern, bei Ärzten, einem Checkpoint und einem Apotheker umgehört. Außerdem geben wir Dir Tipps, woran man denken muss, bis man mit der PrEP beginnen kann.

    Etwas Geduld ist beim PrEP – Start gefragt. Wir sagen Dir worauf Du achten kannst und wie lange es dauert.

    Was sagen die PrEPster?

    Volker

    Volker kommt aus Berlin. Er ist 45 Jahre alt und nimmt seit April dieses Jahres die PrEP. Die Entscheidung ist langsam ihn ihm gereift. Er hat in der Szene zum ersten Mal von PrEP gehört. „Ich habe dann einen Info-Abend mit der Berliner AIDS-Hilfe besucht und auf eigene Faust noch etwas recherchiert“, beschreibt er sein Vorgehen. Er ist zu seinem Hausarzt in Berlin gegangen, der ihn auch sonst betreut. „Mit ihm habe ich noch einmal gesprochen“, erzählt er. Das ausführliche Beratungsgespräch bestärkte Volker darin, mit der PrEP zu beginnen. Auf den Termin hat er eine Woche gewartet. Es folgten die für PrEP vorgeschriebenen bzw. empfohlenen Tests: HIV, Hepatitis B sowie die sexuell übertragbaren Infektionen, wie Syphilis, Chlamydien und Gonorrhö. Nachdem nach ein paar Tagen alle Ergebnisse vorlagen, bekam er sein erstes Rezept für die Blister-PrEP und ging damit zur Apotheke. Nach weiteren zwei Tagen war es dann soweit. Volker hielt seinen ersten Blister mit 28 PrEP-Tabletten in den Händen. „Alles in allem hat es bei mir 10 Tage gedauert, bis ich mit der PrEP starten konnte“, resümiert er.

    Marc

    Marc ist 47 Jahre alt und kommt aus Göttingen in Niedersachsen. Der größte Unterschied zu Volker, der in Berlin zwischen mehreren Praxen und Apotheken auswählen kann, ist der, das Marc in Göttingen diese Auswahl nicht hat. „Ein einziger Arzt in Göttingen, der sich sonst schwerpunktmäßig um Patient_innen mit HIV kümmert, übernimmt die Betreuung der PrEPster in und um Göttingen“, so Marc. Trotz dieser etwas schwierigeren Ausgangslange hat auch Marc hier nur eine Woche auf seinen ersten Termin gewartet. Und auch die Zeit, bis die Testergebnisse vorlagen und er sein erstes Rezept bekam, lag bei ihm ungefähr bei 10 Tagen. Marc hat in Göttingen keine Apotheke, die ihm die Blister-PrEP besorgen kann. Marc hat daher nur die Möglichkeit, ein teureres Produkt eines anderen Herstellers zu wählen. Der Vorteil bei dieser Variante: Das Produkt ist sofort verfügbar. Insgesamt hat es für Marc also etwa zweieinhalb Wochen gedauert.

    Damit eine Apotheke die Blister-PrEP anbieten kann, muss die Apotheke am Blister-Pilotprojekt teilnehmen. Momentan sind das gut 65 Apotheken in Deutschland, die auch Mitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft der HIV kompetenten Apotheken sind. Außerdem müssen die Mitarbeiter_innen der Apotheke zusätzlich geschult werden.

    Marcel

    Marcel musste den größten Aufwand betreiben. Er ist 35 und kommt aus Karlsruhe in Baden- Württemberg. „Kein Arzt weit und breit betreut hier PrEPster“, berichtet Marcel. Dafür hätte er entweder nach Stuttgart oder Mannheim fahren müssen. Zuviel Aufwand. Marcel hat schließlich seinen Hausarzt angesprochen. „Ich habe ihn mit Infos regelrecht zugespamt“, beschreibt er sein Vorgehen. „Aber mein Doc hat toll reagiert und war bereit, sich in das für ihn ungewohnte Themengebiet einzuarbeiten.“ Sein Arzt hat sich schlau gemacht und Marcel war nach 48 Stunden wieder bei ihm. So kann Marcel seit diesem Frühjahr die PrEP nehmen. Und auch die alle 3 Monate vorgeschriebenen PrEP-Checks übernimmt der Hausarzt. Wenn man die Woche rausrechnet die Marcel gebraucht hat, um einen Arzt zu finden, dauerte es vom ersten Check bis zur Einnahme der ersten Pille auch zwei Wochen.

    Erste Station: Die Ärzte

    Dr. Kümmerle (Köln)

    „Wir planen für ein erstes Gespräch auch eine halbe Stunde ein.“

    Der Ebertplatz im Zentrum von Köln. Hier betreibt Dr. Tim Kümmerle mit sechs Kolleg_innen eine Gemeinschaftspraxis. „Insgesamt kommen pro Quartal 150 Patienten, die die PrEP nehmen, zu uns“, sagt Kümmerle. Wer einen Termin für eine Erstberatung braucht, wartet zwischen zwei und drei Wochen. „Wir planen für ein erstes Gespräch auch eine halbe Stunde ein. Und die Erfahrung hat gezeigt, dass das realistisch ist.“ Kümmerle erzählt, dass die Männer, die PrEP nehmen wollen, schon recht gut informiert sind, aber im Gespräch doch noch die ein oder andere Frage auftaucht.
    Nachdem Gespräch folgen die üblichen Tests auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen. Von seinem Labor hat Dr. Kümmerle die Ergebnisse meist nach drei Tagen. Erst drei Mal in den vergangenen zwei Jahren konnte einem Patienten die PrEP nicht verschrieben werden. „Beim ersten Check stellte sich heraus, dass zwei schon HIV-positiv sind und ein dritter eine akute Hepatitis hatte“, nennt Kümmerle als Gründe. Seine Patienten sieht der Kölner Arzt regelmäßig, denn alle drei Monate steht der routinemäßige PrEP-Check an. Wenn alles okay ist, gibt es das Rezept für die nächsten drei Monate.

    „Wir planen für ein erstes Gespräch auch eine halbe Stunde ein. Und die Erfahrung hat gezeigt, dass das realistisch ist.“

    Dr. Kümmerle (Köln)

    Eine Wartezeit von zwei bis drei Wochen für einen Termin zur PrEP-Erstberatung ist auch in der Praxis von Dr. Roger Vogelmann in Mannheim der Standard. In der Stadt gibt es zwei weitere Praxen, die PrEPster begleiten. Dr. Vogelmann teilt die Beobachtung von seinem Kölner Kollegen, was den Informationsstand und den Beratungsbedarf seiner Patienten angeht.

    Dr. Vogelmann (Mannheim)

    Dr. Vogelmann kooperiert bei der PrEP mit einem Checkpoint.

    Der größte Unterschied zu seinen Kollegen in Köln ist der, dass Dr. Vogelmann mit einem Checkpoint kooperiert. „Aus Kapazitätsgründen und weil es für die PrEPster günstiger ist, empfehlen wir unseren Patienten, die vorgeschriebenen Checks dort zu erledigen. Lediglich den Kreatininwert, der Auskunft über den Zustand der Niere gibt, bestimmen wir hier in der Praxis. Das kann der Checkpoint im Moment noch nicht leisten“, erläuterte er. Das ist deshalb so wichtig, weil die Wirkstoffe, die in der PrEP enthalten sind, in einigen wenigen Fällen die Nieren zu stark belasten können. Fälle, in denen er die PrEP nicht verschreiben konnte, gab es bisher in seiner Praxis nicht.

    Tipp: Auf iwwit.de findest Du zwei verlinkte Listen von Ärzten in Deutschland, die Dich zur PrEP beraten und diese verschreiben können.
    Damit Ärzte die PrEP verschreiben können, müssen Ihnen die behördlichen Schulungsmaterialien zum PrEP-Wirkstoff vorliegen.

    Zweite Station: Der Checkpoint

    Die Max-Josef-Straße in der Mannheimer Neckarstadt zählt zu den schönsten Straßen Mannheims. Alte herrschaftliche Häuser und viele Bäume. Hier hat KOSI.MA seinen Sitz, das Kompetenzzentrum zu sexuell übertragbaren Infektionen in Mannheim. Jeden zweiten Donnerstag und neuerdings jeden vierten Mittwoch im Monat können sich hier Menschen auf HIV und STI testen lassen und werden umfänglich zu allen Fragen rund um Safer Sex und sexueller Gesundheit beraten.

    Wie bei allen Beratungen, die im Checkpoint von KOSI.MA angeboten werden, ist auch die Beratung zur PrEP anonym.

    „Seit Anfang des Jahres bieten wir zusätzlich den PrEP-Check an. Wir arbeiten mit dem, von der Hamburger Beratungsstelle Hein und Fiete entwickelten PrEP-Checkheft. Das blaue Heft wurde nach Absprachen mit Hamburg, in Baden-Württemberg im Arbeitskreis Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), für unser Bundesland neu aufgelegt“, berichtet Marc Fischer, Leiter des Checkpoints von KOSI.MA. Wie bei allen Beratungen, die hier angeboten werden, ist auch die Beratung zur PrEP anonym. „Wir arbeiten deshalb mit dem RKI-Code, einer Kombination aus Zahlen und Buchstaben des Vor- und Nachnamen“, erklärt Marc das Verfahren. Die Ergebnisse aus dem Labor werden dann von ihm und seinem Team direkt an die behandelnden Ärzte weitergeleitet. Dieses Verfahren hat sich bewährt.

    Dritte Station: Der Apotheker

    Ralf Busch ist Apotheker in Mannheim. Er darf, neben einer zweiten Apotheke in der Stadt, die PrEP auch in Blistern abgeben. Das liegt, wie oben beschrieben, daran, dass er als Mitglied der DAHKA am Blister-Programm teilnimmt. Insgesamt 60 PrEPster kommen regelmäßig zu ihm. Davon kaufen die allermeisten die Blister-PrEP.
    Bei der Blister-PrEP sind die Tabletten in kleine Einmaltüten (sogenannte Blister) eingeschweißt. Die Blister-PrEP ist mit rund 40 Euro günstiger als Produkte anderer Hersteller. Diese sind jedoch im Gegensatz zur Blister-PrEP sofort verfügbar. Wenn keine Wochenenden oder Feiertage die Bestellung hinauszögern, haben seine Kunden ihre Blister-PrEP innerhalb von zwei Tagen. Ein großer Beratungsaufwand entsteht für ihn und sein Team meist nicht. „Die Jungs sind alle gut informiert“, beschreibt Busch seinen Eindruck. „Wenn es Fragen gibt, beziehen die sich meist auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die zusätzlich eingenommen werden.“

    Die Blister-PrEP

    PrEP: Ein Ausblick zum Schluss

    Im Herbst 2017 konnte dank des Engagements eines Kölner Apothekers, die PrEP erstmals relativ bezahlbar und gleichzeitig legal vielen Menschen zugänglich gemacht werden. Ein Jahr danach ist vieles sicher noch nicht optimal. In manchen Städten ist die günstigere Blister-PrEP noch nicht in den Apotheken verfügbar. Oder es gibt keine Ärzte, die die Versorgung übernehmen können. Auch die Kosten, die jeder bei einem Arztbesuch für den PrEP-Check selbst tragen muss, variieren: Je nach Praxis können sie zwischen 30 bis 75 € liegen. Und sicherlich warten manche auch länger als drei Wochen auf einen Termin für die PrEP-Erstberatung. Aber insbesondere in größeren Städten sind PrEPster in Deutschland recht gut versorgt.

    Unsere Tipps, damit es auch für EUCH reibungslos verläuft:

    • Denkt daran, zwischen dem ersten Anruf beim Arzt, um einen PrEP-Termin auszumachen und dem Tag, bis ihr die PrEP-Tabletten in Händen haltet dauert es im Schnitt zwei bis drei Wochen.
    • Informiert Euch, welche Ärzte Euch betreuen können und welche Kosten damit verbunden sind! Mehr dazu auf iwwit.de
    • Wichtig ist dabei natürlich, dass Ihr vor dem HIV-Test beim Arzt 6 Wochen lang keine Risikosituation gehabt haben dürft. Stichwort „diagnostisches Fenster“ von HIV-Tests.
      Alle Infos zu allen Checks vor und während der PrEP gibt’s ebenfalls auf iwwit.de.
    • Wenn Ihr Euren ersten Termin beim Arzt hinter Euch habt, macht gleich beim Gehen den Termin für den nächsten PrEP-Check aus, dann verhindert Ihr längere Wartezeiten!
    • Kalkuliert ungefähr zwei Tage für die Bestellung Eurer Tabletten ein – wenn Ihr Euch für die Blister-PrEP entscheidet.
    • Behaltet Euren Vorrat im Blick – rechtzeitig Folgerezept besorgen und zur Apotheke bringen!
    • Habt Spaß beim Sex! 😉

    Anmerkung der Redaktion: Die Überschrift dieses Artikels behauptet ausdrücklich nicht, dass es bei der Safer Sex-Methode PrEP einen 100prozentigen Schutz vor HIV gibt. Gleiches gilt natürlich auch für die anderen beiden Safer Sex-Methoden Kondom und Schutz durch Therapie. Deshalb gehören regelmäßige Checks auf HIV und auch andere STI für alle dazu. Mehr zum Test auf iwwit.de

  • „Die PrEP ist nur ein Werkzeug, und man muss lernen, damit umzugehen“

    „Die PrEP ist nur ein Werkzeug, und man muss lernen, damit umzugehen“

    Milan (26) nimmt an der PrEP-Studie DISCOVER teil. Sie soll herausfinden, ob das Kombinationsmedikament Descovy genauso gut für die HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe eingesetzt werden kann wie der Vorgänger Truvada. Im IWWIT-Blog berichtet Milan von seiner Motivation und seinen Erfahrungen.

    Foto: Symbolbild

    Für den Pharmahersteller Gilead geht es um viel Geld. Sein HIV-Medikament Truvada war lange Zeit als einziges auch für die PrEP zugelassen – in den USA seit 2012, in Europa seit dem Sommer 2016. Mittlerweile sind auch in Deutschland gleichwertige Nachahmerprodukte auf dem Markt , auch wenn Gilead das für nicht rechtmäßig hält . Wenn sich aber Descovy als auch oder sogar besser (weil nebenwirkungsärmer) zur PrEP geeignet herausstellt und dafür zugelassen wird, hätte Gilead wieder einen Marktvorteil.

    Um die PrEP-Eignung von Descovy zu belegen, wurde Anfang dieses Jahres die groß angelegte Vergleichsstudie DISCOVER gestartet, an der in den USA und Europa zusammen rund 5.000 HIV-negative Männer und Trans*-Frauen mit erhöhtem Infektionsrisiko teilnehmen. Für die Teilnehmer_innen sind die Medikamente kostenfrei, ebenso die studienbezogenen Untersuchungen und Labortests.

    Damit besteht zum ersten Mal in Deutschland für einige wenige Interessent_innen kostenloser Zugang zu Truvada. Die Teilnehmer_innen wissen allerdings nicht, ob sie das erwiesenermaßen vor HIV schützende Präparat oder seinen Nachfolger Descovy bekommen.

    Einer von 5.000 Teilnehmer_innen der PrEP-Studie DISCOVER

    Milan hat auf einem eher ungewöhnlichen Weg von der Studie erfahren: Ein Bekannter von ihm arbeitet zufällig in einer der fünf HIV-Schwerpunktpraxen, die in Deutschland bei der Studie mitmachen und die Teilnehmer_innen mindestens 48 Wochen lang mit Medikamenten versorgen und medizinisch begleiten.

    Von der Möglichkeit, sich durch die PrEP vor HIV zu schützen, hat Milan vor rund zwei Jahren zum ersten Mal gehört: bei einem Arztbesuch.

    „Allein die Medikamente hätten mich 800 Euro pro Monat gekostet“

    „Ich hatte damals Sex, bei dem das Risiko bestand, dass ich mich infiziert haben könnte“, erzählt Milan. Der behandelnde Arzt verordnete ihm eine vorsorgliche HIV-Behandlung, die sogenannte PEP (Post-Expositions-Prophylaxe), und informierte ihn in diesem Zusammenhang auch gleich über die PrEP.

    So ideal diese Variante der HIV-Prävention für Milan auch schien: „Allein die Medikamente hätten mich etwa 800 Euro pro Monat gekostet, das wollte und konnte ich nicht zahlen.“ Die Teilnahme an der DISCOVER-Studie bot dagegen die Aussicht, PrEP-Medikamente für ein, vielleicht sogar zwei Jahre kostenfrei zu erhalten. Kurz entschlossen bewarb er sich.

    Ein Jahr Warten auf den Studienstart

    Seine Freunde, denen er von seiner Bewerbung erzählte hatte, drückten ihm die Daumen  und mussten nun bisweilen seine Ungeduld ertragen. Denn Geduld war im Vorfeld der Studie in besonderem Maße gefordert.

    Der Start und damit auch die Auswahl der Teilnehmer_innen wurde mehrere Male verschoben, die Bewerber_innen wurden immer wieder vertröstet. Fast ein Jahr hörte Milan nichts mehr von der Praxis, bei der er sich als Interessent gemeldet hatte. Dann fragte er endlich telefonisch nach.

    Wie sich herausstellte, war das gerade noch rechtzeitig, denn nur wenige Tage danach wurde die Liste bereits geschlossen. Milan ergatterte einen der letzten Plätze.

    Heimliche Hoffnung auf Sex ohne Kondom

    Und wenn es nicht geklappt hätte? „Keine Ahnung, was ich dann gemacht hätte“, sagt Milan.

    „Als ich sexuell noch nicht so erfahren war, habe ich immer ein Gummi benutzt, aber es dann immer häufiger weggelassen. In meinem Dating-Profil hatte ich zwar ‚Safer Sex immer‘ angeklickt, aber mich immer mit der heimlichen Hoffnung verabredet, dass der Sex vielleicht doch ohne Kondom sein würde. Es war irgendwie aufregend, dass man bis zum letzten Moment nicht wusste, ob sich dieser Wunsch erfüllten würde.“

    Immer ein schlechtes Gewissen

    Milan versuchte, Infektionsrisiken so weit wie möglich auszuschließen. „Am sichersten war es, Sex ohne Kondom mit HIV-positiven Männern unter der Nachweisgrenze zu haben. Aber es gab eben auch immer wieder Situationen, nach denen man später ein schlechte Gewissen hat.“

    Ein Beispiel? Milan lacht verlegen. „Man ist ein bisschen high, geht mit jemandem nach Hause, und sobald man wieder nüchtern ist, fragt man sich: ‚Was ist eigentlich passiert?‘ Und dann hat man guten Grund, sich Sorgen zu machen.“

    „Wie lange sollte ich noch so weitermachen?“

    Dreimal innerhalb von zwei Jahren hat Milan solche Situationen erlebt und sich danach sicherheitshalber eine PEP verschreiben lassen. „Das ist verrückt, oder? Wie lange sollte ich noch so weitermachen? Deshalb musste ich die PrEP auch unbedingt bekommen.“

    Bevor es mit der PrEP dann tatsächlich losgehen konnte, wurde Milan medizinisch umfangreich untersucht, auf sexuell übertragbare Infektionen samt HIV gecheckt und über die Studie aufgeklärt. Eine Woche danach folgte noch einmal ein HIV-Schnelltest, und bei diesem Termin bekam er dann auch schon die erste Monatsration Tabletten ausgehändigt.

    Zwei Pillen am Tag, eine davon ist ein Placebo

    Zwei Pillen muss Milan nun täglich nehmen. Die eine sieht aus wie Truvada, die andere wie Descovy. Doch eine der beiden Tabletten ist ein Placebo. Welches Medikament Milan also tatsächlich einnimmt, wird er erst am Ende der Studie erfahren. Macht ihm dies etwas aus?

    „Überhaupt nicht. Man hat uns gesagt, dass beide Medikamente effektiven Schutz bieten. Solange ich geschützt bin, muss ich auch nicht beunruhigt sein.“

    „Ich war mir bewusst: Das ist ein Einschnitt in meinem Leben.“

    Und dann war es also soweit. Seine Entscheidung für die PrEP hat Milan nicht mehr in Frage gestellt. Kein Zurückzucken, kein Zögern, keine Unsicherheit.

    „Natürlich war klar, dass ich sie nehmen würde, schließlich habe ich über ein Jahr darauf gewartet. Aber es war durchaus ein besonderer Moment. Ich war mir bewusst: Dies ist ein Einschnitt in meinem Leben. Ich werde jetzt für vielleicht mehrere Jahre jeden Tag zwei Tabletten nehmen und das Medikament in meinem Körper haben.“

    Wichtig ist, dass die Medikamente möglichst zur gleichen Zeit eingenommen werden. Bei Milan ist täglich um 18 Uhr Pillenzeit, und bis auf einmal im Urlaub hat es bislang auch immer geklappt.

    Körperliche Nebenwirkungen: keine

    Und wie sieht’s mit den Nebenwirkungen aus? Schließlich stehen diese im Zentrum des Interesses der PrEP-Studie DISCOVER.

    Milan weiß nicht so recht, wie er diese Frage beantworten soll. Körperliche Probleme wie sie bei Truvada beispielsweise im Beipackzettel gelistet sind – Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Hautausschlag und Juckreiz – hatte er keine. Auch früher nicht, als er Truvada in Rahmen der PEP eingenommen hat.

    „Die ersten beiden Wochen aber fühlte ich mich etwas depressiv. Ob es wegen der Tabletten war, kann ich nicht sagen. Vielleicht war ich auch einfach nur schlecht drauf?“.

    Nach zwei Wochen, sagt Milan, war diese Phase dann auch schon vorbei Und nach 14 Tagen regelmäßiger Tabletteneinnahme galt er auch ganz offiziell als geschützt.

    Sex ohne Psychostress und die Reue danach

    Bis dahin galt: kein Sex ohne Kondom. „Das hatte ich meinem Arzt versprechen müssen. Aber ich hatte zu der Zeit ohnehin keine Lust auf Sex, weder mit noch ohne. Das Timing war also perfekt“, sagt Milan. „Direkt danach ging’s in den Urlaub: nach Tel Aviv zum Gay Pride.“

    Ab jetzt war also Sex ohne Kondom möglich, ohne die Angst, sich vielleicht einem HIV-Risiko ausgesetzt zu haben. Ohne den Psychostress und die Reue danach.

    „Es gibt dir etwas, aber es nimmt dir auch etwas weg.“

    Und wie war’s nun, endlich am Ziel zu sein? Milan schweigt, sucht nach den passenden Worten und wird dann wider Erwarten sehr ernst. „Es gibt dir etwas, aber es nimmt dir auch was weg“.

    Er versucht es zu erklären: „Ich kann nun so viel Sex haben, wie ich möchte, ohne darüber nachdenken zu müssen, und das mache ich jetzt auch. Ohne schlechtes Gewissen. Mein Sexleben ist seither wilder, aber andererseits habe ich das Gefühl, dass ich nicht mehr so einfach befriedigt bin. Ich erlebe mich als ziemlich wählerisch und verwöhnt, um nicht zu sagen: arrogant.“

    Mit der PrEP-Freiheit umgehen lernen

    So richtig kann er sich diese Entwicklung nicht erklären, nur vermuten „Ich glaube, dass mich die Freiheit, die mir die PrEP gibt, dahin gebracht hat. Das ist jedoch nicht die Schuld der PrEP, sondern meine eigene Unfähigkeit, mit dieser Freiheit umzugehen. Die PrEP ist nur ein Werkzeug, und man muss lernen, damit umzugehen. Und das umfasst mehr, als regelmäßig die Tabletten einzunehmen.“

    Dass die PrEP und die damit verbundenen Möglichkeiten des sexuellen Erlebens nachhaltige Wirkung haben würden, hat Milan nicht überrascht. Genau genommen war dies sogar einer der Gründe, warum er an der Studie teilnehmen wollte.

    „Ich bin neugierig darauf, was das mit mir macht.“

    „Ich wollte Sex ohne Gummi haben, ohne die Angst vor lebenslangen Konsequenzen einer HIV-Infektion. Und ich wollte am eigenen Leib erfahren, wie es für HIV-Positive ist, jeden Tag Tabletten einnehmen zu müssen. Ich bin neugierig darauf, was diese sexuellen Erfahrungen mit mir machen. Ob diese Zeit auf PrEP mich in meiner persönlichen Entwicklung weiterbringt, ob sich meine Lebenseinstellung und meine Haltung zur Sexualität verändern.“

    Hoffnung auf Veränderungen

    Milan ist nicht nur neugierig darauf, sondern er erhofft sich diese Veränderungen. Momentan nehme die Sexualität sehr großen Raum in seinem Leben ein, sagt er offen. Mehr sogar, als ihm eigentlich lieb ist.

    „Eigentlich möchte ich mich nicht immer nur mit Sex beschäftigen, sondern mich auf ernstere Dinge konzentrieren. Manche werden darüber sicherlich lachen, und vielleicht bin ich auch nur naiv. Mal sehen, wie ich in vielleicht einem Jahr darüber denke.“

    Vorerst aber nutzt Milan die neuen sexuellen Freiheiten in vollen Zügen. Online ist er kaum mehr unterwegs. „In einen Sexclub zu gehen ist wesentlich effektiver“, scherzt Milan. „Ich will nicht so viel Zeit mit Chatten verschwenden, um flachgelegt zu werden.“

    Regelmäßige Check-ups

    In regelmäßigen Abständen muss Milan im Rahmen der Studie zu einem Check-up. Dabei wird er zum einen wieder auf HIV und andere Geschlechtskrankheiten getestet. Zum anderen wird überprüft, ob es auffällige Veränderungen der Nierenwerte und der Knochendichte gibt – beides sind mögliche Nebenwirkungen der PrEP. Dass jemand die Behandlung die Behandlung abbrechen muss, weil er die Medikamente nicht vertrug, hat Milan mittlerweile sogar im engen Freundeskreis schon erlebt.

    „Ich hoffe, dass ich nicht mit der Studie aufhören muss.“

    Eigentlich ist Milans nächster Praxisbesuch auch erst in knapp vier Wochen, nun soll er aber schon früher vorbeikommen. Die Ergebnisse des letzten Check-ups liegen vor, da gebe es was zu klären. Was das nun bedeutet, weiß Milan nicht.

    Ob er sich was eingefangen hat und behandelt werden muss? Oder wurden etwa nachhaltige Nebenwirkungen der Medikamente diagnostiziert? „Ich hoffe nur, dass ich deshalb nicht mit der Studie aufhören muss“, sagt Milan. „Aber ich will mich jetzt nicht unnötig verrückt machen. Wird schon nichts Schlimmes sein.“

    Weiterführende Beiträge zum Thema:

    „Pillen zum Schutz vor HIV“: DISCOVER-Studie jetzt auch in Deutschland“ (magazin.hiv, 10.4.2017)

    Interview: „Seit ich die PrEP nehme, ist mein Sex viel entspannter“ (IWWIT-Blog, 3.7.2017)

    „PrEP? So was machen wir hier nicht!“ (magazin.hiv, 1.8.2017)