Gesundheit

HIV-Forschung

Weltweit arbeiten Wissenschaftler*innen an Impfstoffen, Antikörpern, vorbeugenden Spritzen, neuen Therapien und sogar an Ansätzen zur Heilung. Diese Seite zeigt, wo die Forschung heute steht, was davon realistisch ist und welche Schutzmöglichkeiten dir schon jetzt zuverlässig zur Verfügung stehen.

Das Wichtigste auf einen Blick

🔬 Fortschritt, aber noch kein Impfstoff

Weltweit laufen Studien zu Impfstoffen, Antikörpern und neuen Medikamenten. Die HIV-Forschung macht Fortschritte, ein zugelassener HIV-Impfstoff fehlt aber noch.

🧬 Warum so schwierig?

HIV verändert sich stark, versteckt sich im Körper und bildet frühe Reservoire. Impfstoffe und neue Therapien müssen deshalb sehr breit und über lange Zeit wirken.

💉 PrEP als Spritze

Die PrEP-Spritze mit Lenacapavir ist seit August 2025 in der EU zugelassen. Zwei Injektionen pro Jahr schützen sehr zuverlässig vor HIV, allerdings handelt es sich um eine lang wirksame PrEP, nicht um eine Impfung.

💉 Therapie als Spritze

In der EU ist seit Dezember 2020 eine Langzeittherapie mit Cabotegravir plus Rilpivirin zugelassen. Die zwei Spritzen werden je nach Schema etwa monatlich oder alle zwei Monate gegeben. Sie halten die Viruslast niedrig, heilen HIV aber nicht.

HIV-Forschung: was ist damit gemeint?

Unter HIV-Forschung fallen alle wissenschaftlichen Arbeiten rund um:

  • Vorbeugung: Impfstoffe, PrEP-Tabletten, PrEP-Spritzen, neue Wirkstoffe
  • Behandlung: bessere Kombinationstherapien, Langzeit-Spritzen, weniger Nebenwirkungen
  • Heilung: Strategien, die HIV dauerhaft aus dem Körper entfernen oder komplett ausschalten sollen

Ziele der Forschung sind zum Beispiel:

  • Infektionen zu verhindern
  • Therapien einfacher und verträglicher zu machen
  • die Lebensqualität von Menschen mit HIV zu verbessern
  • langfristig eine Heilung oder funktionelle Heilung zu erreichen

Viele Ergebnisse siehst du schon im Alltag: sehr wirksame Medikamente, U=U, PrEP und inzwischen auch Spritzen zur Prävention und Behandlung.

Impfstoffe und Antikörper

Gibt es eine HIV-Impfung?
Nach wie vor nicht: Es gibt keinen zugelassenen Impfstoff, der zuverlässig vor einer HIV-Infektion schützt. Mehrere große Impfstudien mit sogenannten Mosaik-Impfstoffen oder Vektor-Impfstoffen wurden beendet, weil der Schutz nicht ausgereicht hat.

Trotzdem geht die Arbeit weiter:

Breit neutralisierende Antikörper (bNAbs)
Das sind Antikörper, die im Labor viele unterschiedliche HIV-Varianten erkennen und blockieren können. Studien prüfen, ob Infusionen oder Spritzen in größeren Abständen vor einer Ansteckung schützen.

mRNA-Ansätze
Ähnlich wie bei COVID-19-Impfstoffen soll mRNA das Immunsystem anleiten, gezielt sehr breite Antikörper gegen HIV zu bilden. Dafür wären mehrere Impfschritte über längere Zeit nötig.

Therapeutische Impfungen
Diese richten sich an Menschen, die bereits mit HIV leben. Ziel ist, das Immunsystem so zu stärken, dass weniger Medikamente nötig wären oder längere Pausen möglich sind. Noch ist das Zukunftsmusik.

Kurz: Es gibt Fortschritte, aber einen Impfstoff für den Alltag gibt es bisher nicht. Deshalb bleiben andere Schutzmethoden wichtig.

Spritze zum Schutz vor HIV (PrEP) – Stand in Deutschland

Lange war PrEP nur als Tablette erhältlich. Seit 2025 gibt es mit Lenacapavir zusätzlich eine Langzeit-PrEP als Spritze. In Deutschland ist sie aber trotz EU-Zulassung praktisch nicht verfügbar.

  • Lenacapavir ist ein lang wirksamer Wirkstoff, der als subkutane Injektion gegeben wird. Nur zweimal im Jahr, im Abstand von sechs Monaten.
  • Die Europäische Kommission hat Lenacapavir im August 2025 als PrEP zugelassen.
  • In der PURPOSE-1-Studie war die Lenacapavir-PrEP bei sexuell aktiven Frauen in Subsahara-Afrika zu 100 % wirksam, es trat keine einzige Ansteckung bei den Studienteilnehmerinnen auf.

Das Problem: keine Kostenübernahme, kein Marktstart

Weder GKV noch private Kassen übernehmen bisher die Kosten für Lenacapavir als PrEP, weil zwischen Hersteller und Krankenkassen keine Einigung über den Preis zustande gekommen ist. Grund dafür sind die im Vergleich zur bisherigen Tabletten-PrEP deutlich höheren Kosten, die eine Kostenübernahme derzeit verhindern.

Spritze zur Behandlung von HIV

Auch in der Therapie gibt es inzwischen Spritzen statt täglicher Tabletten:

  • Seit Dezember 2020 ist in der EU eine Langzeittherapie mit Cabotegravir plus Rilpivirin zugelassen (oft als Vocabria plus Rekambys bezeichnet). Seit Mai 2021 ist sie auch in Deutschland verfügbar und wird von den Krankenkassen übernommen.
  • Die zwei Spritzen werden von medizinischem Personal in den Muskel gegeben – je nach Schema etwa monatlich oder alle zwei Monate.
  • Sie sind für Menschen mit HIV gedacht, deren Viruslast bereits gut eingestellt und nicht nachweisbar ist.

Was bringt das?

Für viele ist es leichter, alle ein bis zwei Monate zum Termin zu gehen, als jeden Tag an Tabletten zu denken

Keine tägliche Tabletteneinnahme mehr

Diskreter, weil zu Hause keine Medikamente herumstehen

Heilungsforschung: wie nah sind wir dran?

Immer wieder liest man von Menschen, die nach einer Stammzelltransplantation offenbar kein nachweisbares HIV mehr im Körper hatten, etwa beim sogenannten Berlin-Patienten oder London-Patienten. Diese Fälle sind wichtig für die Forschung, es gibt jedoch wichtige Einschränkungen:

  • Die Transplantationen waren lebensrettende Behandlungen wegen Krebs, nicht primär wegen HIV.
  • Sie sind riskant, teuer und nicht als Standardverfahren geeignet.

Aktuelle Ansätze der Heilungsforschung:

  • Shock and kill oder block and lock: Diese Ansätze aktivieren ruhende Virenreservoire, um sie gezielt zu zerstören, oder blockieren sie so, dass sie nicht mehr aktiv werden.
  • Kombinationen aus bNAbs, therapeutischen Impfungen und Langzeit-Medikamenten.
  • Genetische Verfahren, die Zellen widerstandsfähig gegen HIV machen sollen.

Bisher gibt es keine Methode, die sich sicher, breit und mit vertretbarem Risiko anwenden lässt. Im Alltag bleibt HIV daher eine chronische, aber gut behandelbare Infektion.

Sicher geschützt: schon heute

Auch wenn die HIV-Forschung noch keinen Impfstoff und keine Heilung für alle gebracht hat, sind die vorhandenen Schutzmöglichkeiten sehr stark:

Kondome
Hoher Schutz vor HIV und vielen anderen STIs. Wichtig sind passende Größe, genug Gleitgel und ein Blick aufs Haltbarkeitsdatum.

PrEP-Tablette
Sehr wirksam, wenn sie korrekt eingenommen wird, egal ob als Dauer-PrEP oder Kurz-PrEP. Regelmäßige HIV- und STI-Checks gehören dazu.

PrEP-Spritze (Lenacapavir)
Eine Injektion alle sechs Monate ersetzt die tägliche Tablette. Das ist besonders praktisch, wenn du unregelmäßig Sex hast oder Tabletten schwer in den Alltag passen.

Schutz durch Therapie (U=U)
Menschen mit HIV, deren Viruslast unter wirksamer Behandlung nicht nachweisbar ist, geben HIV beim Sex nicht weiter.

PEP (Notfallmaßnahme)
PEP bezeichnet Notfallmedikamente nach einem Risiko, zum Beispiel einem gerissenen Kondom. Sie sollten möglichst sofort starten, spätestens innerhalb von 48 Stunden, und werden in der Regel 28 Tage eingenommen.

Tests und Beratung
Regelmäßige HIV- und STI-Tests bringen Klarheit.

Häufige Fragen

Was umfasst HIV-Forschung konkret?

Dazu zählen Vorbeugung, etwa Impfstoffe und neue PrEP-Formen, Behandlung, etwa bessere Kombinationstherapien und Langzeit-Spritzen, sowie Heilungsforschung, also Strategien, die HIV dauerhaft aus dem Körper entfernen sollen.

Was sind breit neutralisierende Antikörper (bNAbs)?

Das sind Antikörper, die im Labor viele unterschiedliche HIV-Varianten erkennen und blockieren können. Studien prüfen, ob Infusionen oder Spritzen in größeren Abständen vor einer Ansteckung schützen können.

Was bedeuten die Fälle "Berlin-Patient" und "London-Patient" für die HIV-Heilungsforschung?

Bei diesen Menschen war nach einer Stammzelltransplantation kein HIV mehr nachweisbar. Die Transplantationen erfolgten jedoch als lebensrettende Behandlung wegen Krebs, nicht primär wegen HIV, und sind riskant, teuer und nicht als Standardverfahren geeignet.

Was bedeutet "Shock and kill" beziehungsweise "Block and lock" in der Heilungsforschung?

Das sind zwei Forschungsansätze, um ruhende Virenreservoire im Körper zu bekämpfen: „Shock and kill“ aktiviert sie gezielt, um sie anschließend zu zerstören, „Block and lock“ blockiert sie so, dass sie nicht mehr aktiv werden können.

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