Schutz durch Therapie

HIV-Medikamente vermindern die Zahl der Viren im Blut und in anderen Körperflüssigkeiten wie Sperma erheblich. Damit ist auch das Risiko einer HIV-Übertragung stark vermindert. Im günstigsten Falle sinkt die Zahl der infizierten Zellen so weit, dass das Virus nicht mehr nachweisbar ist. Heißt im Klartext: Der HIV-infizierte Partner ist dann praktisch nicht mehr infektiös.

Unter folgenden Bedingungen ist es sehr unwahrscheinlich, dass eine HIV-Übertragung stattfindet:
  • Der HIV-infizierte Partner nimmt eine gut funktionierende Kombinationstherapie und hält sich dabei sorgfältig an die Einnahmevorschriften der Medikamente.
  • Die Viruslast ist seit mindestens einem halben Jahr dauerhaft unter der Nachweisgrenze, das heißt, es sind keine Viren mehr im Blut nachweisbar („Viruslast unter der Nachweisgrenze“).
  • Ob die Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt, muss bei den regelmäßigen Bluttests beim HIV-Spezialisten überprüft werden.

Eine große wissenschaftliche Studie mit heterosexuellen Paaren hat ergeben, dass eine gut wirksame HIV-Therapie genauso zuverlässig vor der Übertragung von HIV schützt wie Kondome.* In diesem Fall macht der HIV-positive Partner also auch beim Sex ohne Kondom „Safer Sex“. Absolute Sicherheit gibt es in beiden Fällen nicht, denn auch beim Kondomgebrauch kann etwas schiefgehen, aber die Schutzwirkung ist in beiden Fällen sehr hoch.

Weitere sexuell übertragbare Infektionen (STIs) erhöhen das HIV-Übertragungsrisiko bei erfolgreicher ART wahrscheinlich nur unwesentlich – die Datenlage wird allerdings unterschiedlich interpretiert.

Entscheidend ist die regelmäßige Einnahme der HIV-Medikamente: Bei einer mehrtägigen Unterbrechung der Therapie steigt in der Regel die Viruslast und damit das HIV-Übertragungsrisiko schnell wieder an.

In jedem Fall ist Reden angesagt, damit beide Partner eine informierte gemeinsame Entscheidung treffen können. Beratung zum Thema „Schutz durch Therapie“ bieten neben HIV-Ärzt(inn)en auch die örtlichen Aidshilfen.

Beim Sex mit Gelegenheitspartner(inne)n empfiehlt sich weiterhin die Verwendung von Kondomen, insbesondere, wenn die Kommunikation und eine gemeinsame Entscheidung nicht möglich sind – nicht zuletzt, weil Kondome auch einen guten Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) bieten.

Wichtig sind außerdem die STI-Früherkennung und -Behandlung, da manche STIs auch bei Verwendung von Kondomen übertragen werden können und Symptome häufig nicht auftreten oder bemerkt werden.

Insbesondere für Männer, die Sex mit Männern haben, gilt: Wer sexuell aktiv ist, sollte sich möglichst mindestens einmal jährlich auf STIs untersuchen lassen – vor allem auf Syphilis und mit Abstrichuntersuchungen auf rektale bakterielle Infektionen (Gonorrhö und Chlamydien). Dies dient nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern ist auch ein Beitrag zur HIV-Prävention, da Syphilis und rektale bakterielle STIs das HIV-Ansteckungsrisiko erhöhen.

* Ob die Schutzwirkung einer funktionierenden HIV-Therapie auch für den Analverkehr gilt, sollen Studien klären, deren Ergebnisse für 2015/16 erwartet werden. Die Deutsche AIDS-Hilfe und andere Präventionsorganisationen gehen nach den vorliegenden Erkenntnissen und Beobachtungen davon aus, dass dies der Fall ist. Ein Argument ist, dass viele serodifferente schwule Paare (ein Partner ist HIV-negativ, einer HIV-positiv), bei denen der HIV-positive Partner eine erfolgreiche HIV-Therapie macht, auf Kondome verzichten, ohne dass Übertragungen dokumentiert worden wären.

Andere weisen allerdings zum Beispiel darauf hin, dass HIV beim aufnehmenden Analverkehr generell leichter aufgenommen werden könne als bei aufnehmendem Vaginal- oder eindringendem Anal- und Vaginalverkehr.

Zum Weiterlesen: