Rollenmodelle Holger, René und Marvin

Ehrenämter in der Aidshilfe sehen ganz unterschiedlich aus: So arbeitet Holger (39) in Köln als Berater in Sachen Safer Sex. René (32) hat über die HIV- und Aids-Prävention seinen Berufswunsch entdeckt und studiert mittlerweile Soziale Arbeit in Nürnberg. Marvin (22), der im Vorstand der Aidshilfe Bochum u. a. Präventionskampagnen mitentwickelt, wurde mit der Ehrennadel ausgezeichnet.

Rollenmodelle Holger, Marvin und Rene
Wie seid Ihr zum Ehrenamt gekommen?

Marvin: Ich habe damals in der Schule zum Welt-Aids-Tag Spenden gesammelt und einen großen Scheck an die Aidshilfe überreicht. Das alles hat mir so gut gefallen, dass ich angefangen habe, die Schul-Arbeit für die Aidshilfe Bochum zu koordinieren.

Holger: Ich kann gut zuhören und hatte vorher auch andere Ehrenämter. Vor vier Jahren bin ich als Berater zur Aidshilfe gegangen. Das passte einfach: Ich bin ja selber auch positiv.

René: Vor einigen Jahren führte ich eine monogame Beziehung. Na ja, wenigstens dachte ich das. Ich bekam aber mit, dass mein damaliger Partner auch was mit anderen hatte. Ich bekam dann etwas Panik, weil ich einfach nicht wusste, was er da mit den anderen anstellte. Ich hab mich dann erstmal testen lassen. Der Test war negativ. Aber ich fing dann an, nachzudenken: Was kannst du tun, damit so was anderen nicht passiert?

Welchen Vorurteilen begegnet man in der Prävention?

René: Bei einer Sexparty haben wir mal Gleitgels getestet, da gab es teilweise echte Überraschungen: Jemand dachte, man könnte auch Butter nehmen. Jüngere glauben oft, dass man jemandem ansieht, dass er HIV hat oder dass es eh nur Ältere kriegen.

Holger: Meistens wissen die Leute aber, wie Safer Sex funktioniert, und wollen sich nur bestärken lassen, dass sie nichts „falsch“ machen.

Was ist wichtig, wenn man Berater werden will?
Rollenmodell Marvin Ehrenamt

Holger: Man muss etliche Schulungen im Bereich medizinisches Wissen und Kommunikation absolvieren, bevor man konkret arbeiten kann. Man braucht bis zu zwei Jahre, bevor man alles zusammenhat.

 
Nervt die ehrenamtliche Verpflichtung manchmal?

Marvin: Nein. Man hat ja die Möglichkeit, zu tun, was man wichtig findet. In der Gemeinschaft etwas zu schaffen, ist ein besonderes Gefühl. Wenn wir eine große Veranstaltung gewuppt haben, sitzen wir abends total glücklich beim Bier zusammen. Ich kann nur allen sagen: Kriegt den Arsch von der Couch, es lohnt sich!

Holger: Es kann immer den Punkt geben, wo man nicht mehr kann. Dann darf man natürlich pausieren oder kürzer treten. Niemand zeigt dann mit dem Finger auf dich. Es ist schließlich Freizeit. Wenn‘s keinen Spaß macht, sollte man es lieber sein lassen.

Also Ehrenamt tut nicht zuletzt den Ehrenamtlern gut?

René: Klar, Feiern gehört dazu. Aber ich finde auch, dass man irgendwas für seine Mitmenschen tun sollte. Man kann da viel Gutes bewirken.

Holger: Durch das Ehrenamt sind Freundschaften entstanden. Man lernt viel. Außerdem kann ich die ganzen Kommunikationsschulungen für meinen Beruf gut nutzen.

Marvin: Überhaupt trifft man in der Aidshilfe spannende Menschen. Leute, an denen man auf der Straße vielleicht vorbeigeht. Hier ist so ein Ort, wo jeder eigentlich gleich ist.

 
Was waren eure bewegendsten Momente?

Holger: Die Anerkennung der anderen ist schon toll, wenn ich in der CSD-Parade mitgehe oder sonst wo für die Aidshilfe unterwegs bin: Die Leute kommen auf einen zu und sagen: Das ist toll, was ihr macht!

Marvin: Nach der Verleihung der Ehrennadel haben mir viele Menschen gesagt: Klasse, dass du da bist. Mach weiter so. Das war schon sehr bewegend. Abgesehen davon: Wie heißt es so schön? Alles, was wir tun, tun wir für uns selbst. Mir geht’s durch diese Arbeit einfach besser.