Wenn Florian Drogen nimmt, versucht er, sein Risiko klein zu halten. Das klappt nicht immer.

Florian lebt und arbeitet in Berlin. Sein Partyleben spielt sich vornehmlich in schwulen Clubs der Hauptstadt ab, denn er liebt die Anonymität großer Sexpartys. Drogen gehören für ihn dazu: Von Poppers über Speed und Crystal bis zu GHB und Ketamin hat er vieles probiert, kennt aber auch seine Grenzen.

Rollenmodell Florian - Sexdrogen
Wie wichtig sind Drogen für dich?

Sie sind ein Bestandteil meines Sexlebens, aber ich nehme sie auch nur da. Während meiner Arbeitswoche lasse ich die Finger von Drogen.

Schon mal negative Erlebnisse gehabt?

Natürlich, das kennt wohl jeder, der Drogen konsumiert. Ich habe zum Beispiel mal zu schnell GHB nachgenommen und bin im Club komplett weg gewesen.Von ein bis zwei Stunden weiß ich gar nichts mehr.

Mal ganz direkt gefragt: Bist du abhängig?

Ich war es. Bei Crystal Meth habe ich die Kontrolle verloren. Die Suchtpotenzial ist so hoch, dass ich nur raten kann, die Finger davon zu lassen. Aber auch bei anderen Substanzen ist es immer eine Gratwanderung. Man muss sehr vorsichtig sein und hat keine Garantie, dass es nicht schiefgeht.

Was rätst du Leuten, die Crystal konsumieren?

Aus meiner persönlichen Erfahrung sage ich: Am besten, man lässt von Crystal komplett die Finger oder sucht sich Hilfe, wenn man es selber nicht mehr geregelt bekommt.

Gibt’s Möglichkeiten, beim  Crystal-Konsum das Risiko zu minimieren?

Bei Crystal ist das fast unmöglich! Vor allem beim Slammen, also Spritzen, sollte man bedenken, dass die Wirkung dann viel stärker ist und leicht eine Überdosis passieren kann. Da kann man sich außerdem besonders leicht mit HIV und Hepatitis anstecken. Deswegen die Spritze nie gemeinsam verwenden! (Mehr Infos zu Safer Use hier). Man muss außerdem wissen: Wer drauf ist, denkt oft nicht mehr an Safer Sex.

Mit Crystal hast du komplett aufgehört. Wie schützt du dich beim Konsum anderer Drogen vor Krankheiten?

Ich bin HIV-positiv und möchte mir nicht noch eine Hepatitis C dazu holen. Beim Konsum durch Sniefen achte ich deswegen drauf, dass ich mein eigenes Röhrchen benutze und keine Geldscheine.

Nimmst du unterschiedliche Drogen an einem Abend?

Ja, jedoch mit sehr klaren Regeln: Wenn ich Poppers nehmen möchte, lasse ich Potenzpillen weg. Das kann den Kreislauf schneller zum Absturz bringen, als man schauen kann. Ich vermeide es, GHB oder GBL zusammen mit Alkohol zu nehmen. Ich merke mir auch immer die Uhrzeit, wann ich etwas genommen habe. Die Abstände sind mindestens so entscheidend wie die Dosis selbst.

Wie verhinderst du eine Überdosis?

Durch Planung im Vorfeld. Ich würde nie im berauschten Zustand aus der GHB-Flasche nachnehmen. Ich fülle mir das vorher zu Hause genau ab, damit ich nicht überdosiere. Ich möchte nicht abhängig werden. Deswegen reduziere ich Risiken, so weit es geht.

Rollenmodell Florian
Wie kontrollierst du die Qualität deiner Drogen?

Ich kaufe nie bei jemandem, den ich nicht kenne, weil ich da nicht weiß, was drin ist. Ich achte auch darauf, ob der Dealer sein eigenes Zeug nimmt. Das kann ein wichtiger Hinweis sein. Letztlich kann ich ein Restrisiko aber niemals ausschließen. Das ist mir auch sehr bewusst.

Kriegst du mit, was deine Freunde auf Partys treiben?

Ja! Jeder weiß, was der andere nimmt und ob er genügend Zeit zwischen zwei Einnahmen lässt, damit es eben nicht zu einer Überdosierung kommt. Wenn wir zusammen auf eine Party gehen, dann hauen wir auch wieder zusammen ab. So passt immer jemand auf einen auf, gerade wenn man weiß, dass der andere was genommen hat. Das ist eine der wichtigsten Konsumregeln für mich.

Bleibt nicht trotzdem ein gewisses Risiko?

Ich maße mir nicht an zu behaupten, meine Drogen immer ohne Fehler zu konsumieren. Auch jemand, der Alkohol trinkt, kommt vielleicht mal in die Gefahr, „einen über den Durst zu trinken“. Mit selbstbestimmter Handlung hat das dann nichts mehr zu tun. Meine Strategie zur Risiko-Minimierung funktioniert. Aber ich habe eben auch schon einmal erlebt, wie schnell das schief gehen kann. Das ist mir immer bewusst. Deswegen kann ich sagen: Ich weiß, was ich tu.