Florian hatte Hepatitis C. Heute geht's ihm gut, und seine Leber hat sich erholt.

Wie hast du dich mit Hepatitis C infiziert?

Höchstwahrscheinlich bei einem Sexdate, bei dem ich meine Grenzen überschritten habe und es zu Praktiken kam, die nicht ganz „safe“ waren. Zudem konnte ich damals noch nicht so gut „Nein“ zu Sachen sagen, die ich eigentlich nicht wollte.

Wie war deine Reaktion bei der Diagnose?

Zunächst kam ja die HIV-Diagnose. Da ich allerdings über die Medikamente und Therapien Bescheid wusste, und auch Freunde habe, die HIV-positiv sind, war das für mich kein Weltuntergang. Im Rahmen eines Kontrolltermins erhielt ich dann aber zwei Monate später die Hepatitis-Diagnose. Das war heftiger für mich, damit hatte ich nicht gerechnet. Da kamen dann Fragen auf wie „Warum ich?“ und „Warum auch das noch?“.

Du hast dann deine erste Therapie begonnen …

Na ja, nicht direkt. Ich war erst bei einem klassischen Hausarzt, und der meinte: „Wir warten jetzt mal ein bisschen ab, ob’s von alleine ausheilt.“ Ich habe gehört, dass bis zu 20 Prozent der Infektionen von alleine ausheilen. Aber da gibt’s eben noch die anderen 80 Prozent. Und ich wollte nicht warten. Auf den Rat eines Freundes hin bin ich daher zu einer Schwerpunktärztin gewechselt. Dort ging alles ganz schnell, und ich hab eine Therapie mit den Medikamenten Ribavirin und Peg-Interferon angefangen.

Und wie lief die?

Anfangs lief es ganz gut. Ich hatte auch keine besonderen Schwierigkeiten. Ab der achten Woche hatte ich aber wieder eine hohe Viruslast, die trotz erhöhter Dosierung nicht absank. Daraufhin hat meine Ärztin die Therapie abgebrochen.

Das ist mies. Wie ging’s weiter?

Meine Leberwerte wurden immer schlechter, und die Ärztin hatte Schiss, dass ich eine Leberzirrhose bekomme, bei der dann die Leberfunktion ausfällt. Daher hat sie bei der Krankenkasse wegen einer zweiten Therapie angefragt und die auch genehmigt bekommen. Die lief aber leider wie beim ersten Mal.

Aber deine Ärztin hat sich weiter für dich eingesetzt. Was hat sie unternommen?

Sie hat sich um einen Platz in einer Medikamentenstudie für Hepatitis-C-Patienten bemüht. Den habe ich wegen der zunehmenden Vernarbung meiner Leber auch bekommen. In der Studie wurde ein neuer Wirkstoff untersucht, sodass ich neben den bisherigen Medikamenten zusätzlich nun eine dritte Pille nahm. Dazu muss man wissen, dass bei solchen Medikamentenstudien immer ein Teil der Teilnehmer das zu testende Medikament verabreicht bekommt und ein anderer Teil nur eine Zuckerpille. Das ist so Standard, weil man nur so vergleichbare und gute Ergebnisse über die Wirkung von Medikamenten erhält.

Und wie lief es nun beim dritten Mal?

Super! Schon nach zwei Wochen wusste ich, dass ich nicht im so genannten Placebo-Arm der Studie war, weil ich da schon virusfrei war! Dennoch musste ich aufgrund meiner Vorgeschichte die Therapie die ganzen vorgesehenen 42 Wochen durchziehen.

Wie sah’s beim neuen Medikament mit Nebenwirkungen aus?

Ungefähr nach sechs Monaten kam es zu stärkeren Nebenwirkungen, die aber auf das Interferon zurückzuführen waren. Es war so eine Art dauerhafter „Grippe-Zustand“, der meinen Körper total auslaugte. Und das hatte auch Auswirkungen auf meine Stimmung: Ich ging körperlich wie psychisch einfach auf dem Zahnfleisch. Meine Ärztin meinte nur, dass ich da durchmüsse. So habe ich das Einzige getan, was möglich war: mich schonen. Ich hatte ja auch keine Lust und Kraft zum Ausgehen. In der Zeit habe ich auch eine Psychotherapie gemacht.

Wie war das Ende der Hepatitis-Therapie?

Nach dem Absetzen der Medikamente ging es mir immer besser. Es hat aber doch fast ein Jahr gedauert, bis ich wieder voll auf der Höhe war. Die Leberzirrhose ist komplett zurückgegangen, und heute habe ich eine Leber wie jeder andere auch in meinem Alter.

Wie geht es dir heute?

Mir geht’s wie vorher. Ich lebe aber schon bewusster und bin auch spirituell geworden, was mir hilft, gelassen durchs Leben zu gehen. Jetzt lerne ich einen Job, auf den ich wirklich Bock habe, und werde Heilpraktiker. Ich treffe Freunde, geh feiern, treibe Sport und hab natürlich auch Sex.

Hat sich dein Schutzverhalten verändert?

Ich bin da offen und spreche meine Sexpartner direkt an – auf Hepatitis C und auf HIV. Damit schütze ich mich vor einer Neuansteckung mit Hep C, aber auch den anderen. Erst danach kann’s für mich abgehen.

Bist du wegen deiner HCV-Infektion schon mal in der Szene diskriminiert worden?

Ich wurde von der einen oder anderen Partybekanntschaft gemieden, nachdem sie es irgendwie erfahren haben. Schlimmeres habe ich zum Glück nicht erlebt.

Was ist dein Rat oder deine Erkenntnis?

Hepatitis C ist ein sensibles Thema. Ich halte es für sinnvoll, drüber zu sprechen, aber sicher nicht mit jedem. Jeder sollte sich genau überlegen, wem er es sagt. Zudem empfehle ich jedem, bei einer Hepatitis-Diagnose direkt zu einem Spezialisten zu gehen, der sich damit auskennt.