HIV-Coming-out

Vlad hat HIV, sein Freund Stephan ist negativ. Was bedeutet das für ihre Beziehung? Wir haben mit Vlad gesprochen und seinen Bericht aufgeschrieben.

Wie gut, dass meine Freundin Surya eine Katze hat. Sonst hätte ich meinen Freund nicht kennengelernt. Surya hatte mich gebeten, das Tier während ihres Urlaubs zu füttern. Ich lag in ihrer Wohnung auf dem Sofa, hatte keine Lust auf gar nichts und tat, was wohl die meisten Schwulen in dieser Situation tun: Romeo einschalten und schauen, ob es in der Gegend sexy Typen gibt. Stephan gefiel mir sofort und nach ein paar Messages bat ich ihn, mit mir essen zu gehen.

Schon am nächsten Abend besuchte ich ihn und nach einer Weile lagen wir uns knutschend in den Armen. Irgendwann fiel mir ein, dass ich etwas Wichtiges vergessen hatte. Meine Tabletten! Für einen HIV-Positiven, der seine Therapie ernst nimmt, gibt es kaum eine unangenehmere Situation. Stephan ging davon aus, dass ich bleibe, aber das war unmöglich. Gegen Mitternacht zog ich mich an und fuhr nachhause.

Ich habe meistens kein Problem damit, über meinen HIV-Status zu sprechen. Bei Sexdates tue ich das oft und wundere mich eher darüber, wie viele Männer blank ficken wollen, ohne diese Frage zu klären. Bei Stephan zögerte ich, denn das war kein Sexdate. – Ich wollte mehr von diesem Mann.

Doch wenn ich mehr wollte, dann war Ehrlichkeit umso wichtiger. Also kratzte ich meinen Mut zusammen und hielt beim dritten Treffen die Tablettendose hoch: „Deshalb konnte ich letztens nicht bei dir übernachten.“ Mir war schlecht vor Angst und ich zitterte am ganzen Körper. Und Stephan? Er nahm mich in den Arm und sagte: „Das ändert gar nichts.“ Normalerweise fange ich in emotionalen Situationen an zu flennen. Auch das war mit Stephan anders. Ich habe mich in seiner Nähe von Anfang an stark gefühlt.

In unserer Beziehung spielt HIV seitdem keine große Rolle. Wir haben sogar Sex ohne Kondom. Das Risiko ist dabei für Stephan verschwindend gering, weil meine Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt und ich das alle drei Monate überprüfen lasse. Es gibt nur eine Frage, mit der Stephan meine Infektion gelegentlich thematisiert: „Vlad, hast du deine Tabletten genommen?“

Drei Fragen an Vlad

  1. Vlad, viele Positive fühlen sich einsam. Hast du mit Stephan einfach Glück gehabt?
    Das glaube ich nicht. Für eine Beziehung muss man offen sein, dann ist der HIV-Status egal. Ich gebe aber zu, dass auch ich früher Angst hatte, wegen meiner Infektion keinen Freund zu finden. Damals habe ich noch in Bukarest gelebt und dort werden Positive in der Szene viel stärker diskriminiert als in Berlin.
     
  2. Wann hat sich deine Sorge verflüchtigt?
    Spätestens seitdem ich in Therapie bin. Ich führe ein normales Leben, bin gesund und kann niemanden anstecken. Das macht mich selbstbewusst. Bevor ich Stephan kennenlernte, hatte ich in Berlin bereits zwei Beziehungsversuche. Den ersten Versuch habe ich beendet, weil ich spürte, dass meine Infektion zwischen uns stand. Der zweite Freund war Mitarbeiter der AIDS-Hilfe. Seine Art, mit dem Thema umzugehen, hat mir sehr geholfen, obwohl wir gar nicht so oft darüber gesprochen haben. Wir waren anderthalb Jahre zusammen.
     
  3. Wenn du Sex außerhalb der Beziehung hast: Verrätst du, dass du HIV-positiv bist?
    Bei Sexdates mache ich das in der Tat meistens. Zwar bin ich zwei, drei Mal beschimpft worden, in der Regel gibt es aber keine Probleme. Wenn ich ins Kitkat gehe, thematisiere ich meine Infektion dagegen nicht. Ganz ehrlich: Wer Sexpartys besucht, der muss wissen, worauf er sich einlässt.

HIV-Coming-out: Wem sag ich’s – und wie?

Wer sich gegenüber seiner Familie, seinen Freunden, dem Partner oder im Job als HIV-positiv outen möchte, braucht Mut und ein paar grundlegende Tipps. Den Mut musst du selbst aufbringen, wir können dir ein paar Hinweise mit auf dem Weg geben:
https://www.aidshilfe.de/wem-sag-ichs